FOLGE 1: Der Franken-Tatort aus Nürnberg: „Ich töte niemand“, 15. April 2018 mit Dagmar Menzel und Fabian Hinrichs

Die gute Nachricht zuerst: Die beiden Kommissare erscheinen voll umfänglich dienstfähig – was für etwa 50% der Tatort-Kommissare bundesweit (plus Wien und Luzern) nicht gelten dürfte. Dennoch sehen wir von den Kommissaren praktisch nie eine Krankmeldung – nicht mal in Berlin, obschon der Krankenstand im dortigen öffentlichen Dienst bei über 30 Tagen pro Jahr liegt.

Allerdings sieht Ausgeglichenheit anders aus: Die Hauptkommissare oszillieren zwischen melancholisch, aggressiv, jovial, empathisch und konfrontativ. Mitunter taktisch, aber manchmal einfach wegen fehlender Impulskontrolle. Könnten wir uns in „normalen“ Jobs gegenüber KollegInnen und Kundschaft so verhalten? Natürlich nicht. Also keine Vorbilder, und eigentlich müsste der Chef hier mal Einzelgespräche führen. Aber der Polizeipräsident Dr. Kaiser ist selbst die größte Drama-Queen und poltert sich aus unerfindlichen Gründen durch die Folge. Gut, ein Kollege ist verstorben, aber er führt sich dennoch auf wie der Chef des Investmentbanking in „Bad Banks“ – wo er doch eigentlich moderieren sollte (remember: moderieren, spätlateinisch moderare, lateinisch moderari = mäßigen, regeln, lenken).

Ansonsten erleben wir den Evergreen des deutschen Tatorts: Motivationsloch, Sinnkrise, Zweifel am Job angesichts des Elends und der Gewalt. Das kollidiert bei den Kommissaren klar mit deren Wertevorstellungen von gesellschaftlicher Harmonie und Integration. Die typische Reaktion: Die Kommissare machen das erst mal alles mit sich selbst aus.

P.S. Okay, ist ein originelles Versteck für eine Waffe, aber vor laufender Kamera einen süßen Plüschpanda aufschlitzen geht gar nicht!

WAS WIR SONST NOCH DARAUS LERNEN:

  • Das ganze Team bräuchte mal Supervision für eine strukturierte Reflexion.
  • Wenn meine grundsätzlichen Werte mit meinem Job täglich gegeneinander prallen ist es Zeit für ein paar Überlegungen, ob und wie lange das noch gut geht.
  • Habe ich jemanden am Arbeitsplatz, mit der oder dem ich vertraulich über meine Zweifel und Frustrationen sprechen kann?
  • Tipp für Polizeipräsident Dr. Kaiser: Kuck dir mal Polizeipräsident Gerd Achtziger bei den „Rosenheim Cops“ an – so sieht souveräne und tiefenentspannte Führung aus – bei einer Aufklärungsquote von 100%!