FOLGE 2: Der norddeutsche Tatort „Alles was sie sagen“, 22. April 2018 mit Wotan Wilke Möhring und Franziska Weisz

Schon raffiniert, dieser Plot! Die eher vertrauensleere Zusammenarbeit der BKA-Beamten Falke und Grosz und ihr disruptiver Workflow waren ermittlungstaktisch nur vorgetäuscht, um den Chef der Lüneburger Polizei seiner kriminellen Machenschaften zu überführen! Als harmonieaffiner Zuschauer und mehr noch als Personaler war ich mehr als einmal kurz davor, beim Sender anzurufen, um eine Krisenintervention und Mediation anzubieten. Aber gemach – ALLES NUR GESPIELT.

Das kann man leider von manchen Organisationen und Unternehmen nicht behaupten, dort ist das REAL! Kollegen-Leaks, Informationshorterei, nadelstichige Bemerkungen, Missbrauch von personalized Kaffeetassen und Anschwärzen quer durch alle Ebenen gehören dort zum Alltag. Sei es wegen firmeninternem Verdrängungswettbewerb, Kommunikationsunlust, mangelnder Sympathie oder schlechtem Charakter.

Deshalb mein Appell an die Arbeitgeber: Schafft eine Arbeitsatmosphäre, die Empathie untereinander fördert (TOP-TIPP: Einfach mal Empathie googeln). Und an die Arbeitnehmer: Seid tolerant gegenüber den kleinen Schwächen, Marotten und Andersartigkeiten Eurer Kolleginnen und Kollegen. Ihr habt sie schließlich alle auch. Das ist die Basis von gelebter Diversität, die Unternehmen inzwischen, getrieben von der Globalisierung der Geschäfte und der Belegschaften, wie eine Monstranz vor sich hertragen und Richtlinien und Unternehmenswerte en gros zirkulieren. Natürlich ist die Frage, wie viele private Geschichten ich zum Arbeitsplatz schleppe und dort auslebe. In Film und Fernsehen ist das für die Dramaturgie – sprich Personalisierung – konstituierend. Im wirklichen Job nur in vertretbaren Dosen okay.

Zurück zum Tatort: Wie, bitte schön, ist es möglich, dass der Chef der örtlichen Polizei noch in derselben Nacht sich selbst als interner Chefermittler einsetzt, und einen Verhör-Marathon mit Falke und Grosz beginnt? Schließlich ist er formal nicht zuständig, und dazu befangen, hat doch sein eigenes Team in der Sache auch versagt. Ich habe selbst in internen Disziplinarfällen mitgewirkt, und sowas muss sehr sauber gehandled werden.

Falke und Grosz stellen diese fragwürdige Autorität nicht in Frage und spielen devot mit (bewusst, weil sie ja schon überlegten, wie sie den Chef drankriegen), aber für den Arbeitsalltag gilt: nicht alles hinnehmen und sich gefallen lassen! Leider ist es so, dass viele Vorgesetzte immer noch autoritär auftreten oder sogar austesten, wie weit sie gehen können. Also pädagogisch wertvoll vorgehen wie bei Vierjährigen: Grenzen setzen!

WAS WIR SONST NOCH LERNEN:

• Bei aller Genialität, wie Falke und Grosz den bösen Lüneburger Polizeichef in die Falle laufen lassen, ihre Befragungstechnik von Zeugen und Beschuldigten ist generell kein gutes Vorbild! Keine produktive Gesprächsatmosphäre, keine vertrauensbildenden Maßnahmen (ice breakers), keine offenen Fragen; dafür aggressive Ansagen und jumping to conclusions. Das muss im Bewerbungsgespräch besser laufen! Schließlich möchte ich, dass der/die Bewerber/in nicht zumacht, sondern aufmacht.

P.S. Der Deutschkurs-Leiter trennt seinen Müll nicht sauber! Wir werden das weiter im Auge behalten.