FOLGE 3: Der Schwarzwald-Tatort „Sonnenwende“, 13. Mai 2018 mit Eva Löbau und Hans-Jochen Wagner

Holla, wieder mal packte die ARD die ganz großen Themen aus: Staatsräson vs. Justizgerechtigkeit, Freundschaft vs. Pflichterfüllung, Befangenheit  vs. dientbeflissene Distanz. Darüber stünde nur noch Max Webers Gesinnungsethik vs. Verantwortungsethik, aber das wird ja nun schon sehr oft bemüht. Jedenfalls wurde die Tat letztlich ermittelt und der Staatsschutz bleibt nicht zum ersten Mal als mörderischer Strippenzieher unbehelligt (vgl. auch NSU-Prozess).

Da fällt es auch kaum ins Gewicht, dass der Blut- und-Boden-Alm-Patriarch eher aussah wie ein Berlin-Mitte Hipster im Trachtenjanker (natürlich entworfen von einem angesagten off-label).

Personalmanagementtechnisch steht im Vordergrund: Findet Kommissar Berg zurück in den Rahmen seines Amtseides und unvoreingenommener Ermittlung? Er ist ja „ein echter Freund“ des Öko-Bauern und lässt die Familie als Zeichen seiner Ausgabendisziplin bei sich die Obsternte machen anstelle von Saisonarbeitern, mit einem fröhlichen Lied aus dem Nazi-Gesangbuch auf den Lippen. Puh. Da hat aber einer Netzwerken (Geben und Nehmen) und lokale Solidarität über die Polizeiarbeit gestellt.

Aber dann regt sich bei ihm der Gewissenskonflikt – you live, you learn. Sind das etwa falsche Freunde? Auch die Gerichtsmedizinerin, die Staatsanwältin, die Lehrerin der toten Sonnhild, alle miteinander hadern mit dem Dilemma von Loyalität zu „höheren“ Instanzen und  Verbrechensaufklärung.

WAS WIR DARAUS LERNEN:

Interne Kritik, Hinterfragen und zur Not auch Whistleblowing (wie hier Gerichtsmedizin-Leaks) sind mutig und wichtig, wenn es Betrügereien und kriminelle Vertuschungen gibt – „Wie lange willst du dir die Nase zuhalten, wenn es stinkt?“

P.S. Bei solch völkischen Bauernhöfen muss ich doch nicht direkt beim Erzeuger kaufen – auf zum Biosupermarkt.