FOLGE 6: Der München-Tatort „Freies Land“ am 3. Juni 2018, mit Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec

Die Reichsbürger werden jetzt allenthalben fürs Fernsehen entdeckt. Knarzige, verschrobene Typen mit starker innerer Überzeugung und im Tatort auch mit dem Willen zur Tat: der eigenen Staatsgründung mit Währung und allem PiPaPo. Allerdings gehen die Aktivisten handwerklich so ungeschickt und desorientiert vor, als wären sie zuvor von Sergio Ramos schwer gefoult worden.

Historisch ist die Schaffung von so genannten Mikro-Nationen nichts Neues. 1967 proklamierte Paddy Roy Bates, ex-Major der britischen Streitkräfte, das Fürstentum Sealand auf der ehemaligen, künstlich im Meer errichteten militärischen Plattform HM Fort Roughs, 10 km vor der Küste von Suffolk. Auch er ging bis zu seinem Tod 2012 mit Waffengewalt gegen unerwünschte Eindringlinge vor. Sealand wurde nie als Völkerrechtssubjekt anerkannt (und lag zudem in britischen Hoheitsgewässern). Ein ähnliches Schicksal ereilte u.a. den Freistaat Christiania in Kopenhagen, und man könnte auch den Freistaat Bayern nennen, dem es anno 1949 nicht vergönnt war, der neuen und so unbayerischen Bundesrepublik nicht beitreten zu müssen.

Was können wir in der Auseinandersetzung Polizei gegen Freies Land personaltechnisch betrachten und verallgemeinern?

  1. DER MOBILE PROFESSIONAL: Wenn die Kriminalhauptkommissare Leitmayr und Batic ihr geliebtes München schon mal kurzfristig verlassen müssen, sind sie logistisch völlig unvorbereitet. Natürlich mag es dramaturgisch reizvoll sein, Batic beim abendlichen Wäschewaschen zuzuschauen. Aber in realita bietet sich ein light travel kit an – siehe daher untenstehende Packliste.
  2. DER KOMMUNIKATIVE PROFESSIONAL: Danach geraten die beiden in der tiefen Provinz in eine Situation, in der ihre gezückten Dienstausweise niemanden beeindrucken (sondern eher provozieren), nicht mal und schon gar nicht die eigenen Polizeikollegen vor Ort. Was tue ich also in dieser Lage nicht? Richtig: Mit der Tür ins Haus fallen, ungeduldig sein, arrogant sein, prontamente Anweisungen erteilen, sich durchsetzen müssen. Was tue ich stattdessen? Erstmal sich vorstellen, Fragen stellen, zuhören, active listening skills anwenden, die lokalen Umstände verstehen, Perspektivenwechsel probieren, ein Lagebild schaffen, ungeschriebene Regeln erkennen. Das gilt an jedem anderen Arbeitsplatz auch, sogar und gerade für Führungskräfte! Summa summarum: Kommissare und Manager aus HQs und Zentralen, hört auf eure eigenen Leute in den Außenstellen, Dependancen, Filialen und Projekten! Nehmt sie ernst und achtet sie nicht gering. Ihr braucht euch einander. THE POWER OF ONE!

P.S. Auch nicht anerkannt wurde die Republik Kugelmugel des Künstlers Edwin Lipburger im Wiener Prater (im Würstelprater neben der Villa Victoria, wo man nett einen Kaffee trinken kann): Ein Kugelhaus, unbewohnt, ohne Strom- und Wasseranschluss und hinter Stacheldrahtzaun. Aber gedacht als eigener Staat, da es ein „positiv konstant gekrümmter, zweidimensionaler Raum und daher kein Begriff im Sinne der Niederösterreichischen Bauordnung“ sei. Angeblich leben über die ganze Welt verteilt mehrere hundert Personen, die sich per Dokument als Staatsbürger von Kugelmugel bezeichnen.

Gratis-Tipp der Woche: Packliste für 1-3 Tage spontane Dienstreise (passt in jede kleinere Sporttasche)

  • Wechselkleidung (Ober-/Unterkleidung, leichte Ersatzschuhe falls Einsatz in Nässe)
  • Leichter Schal, wiegt nichts, ist aber multifunktional
  • Ersatz-Kulturbeutel mit Zahnbürste, Duschgel (gleichzeitig Waschmittel), Lotion, kleine Schere etc.
  • Kleines Handtuch
  • Taschentücher, feuchte Tücher
  • Schlafmaske und Ohrstöpsel
  • Taschenbuch als Einschlaflektüre
  • Packung Nüsse, getrocknete Aprikosen, Schokoriegel (falls der Wurst-Automat ausfällt) (allerdings auf Verfallsdatum achten)
  • Ersatz-Kugelschreiber
  • Ladekabel und Plug-in Kopfhörer für Hörbuch oder Musik
  • Fläschchen Minzöl (einige Tropfen auf Schläfen und Nacken wirken Wunder)
  • Schnuffeltuch für einsame Orte
  • Ersatzpatronen für die Dienstwaffe (optional)