FOLGE 8: DER LUZERN-TATORT „FRISS ODER STIRB“ AM 30. DEZEMBER 2018, MIT STEFAN GUBSER UND DELIA MAYER

Und ich sag noch zu meiner Freundin als der Entführer und sein Opfer – schwerreicher CEO von Swisscoal – bei letzterem nach Schusswechsel und Kampf Mann gegen Mann im Hobbykeller sitzen: „Gleich machen sie zusammen ein Bier auf“ – Und sie taten es!!! Wer schreibt solche Drehbücher???

Was ging personaltechnisch?

Die Folge schließt direkt an den Frankfurt-Tatort am 2. Weihnachtsfeiertag an: Beziehungsstress zwischen Führungskraft und Mitarbeitenden. In der Rolle des Unsympathieträgers einmal mehr Regierungsrat Eugen Mattmann, Vorsteher des kantonalen Departements für Justiz und Sicherheit und somit politischer Vorgesetzter des Luzerner Ermittlungsteams um Reto Flückiger und Liz Ritschard.

Er ist gut vernetzt und hat als Prio 1 zunächst mal die Unbeflecktheit der Schweizer Geld- und Machtelite auf seinem Zettel. Nur wenn kriminelle Machenschaften oder moralische Verwerfungen des Establishments partout nicht mehr zu leugnen sind, steht er endlich mal hinter seinen Leuten.

A priori aber gilt: Im Zweifel gegen seine Ermittler, die nur Staub aufwirbeln, bis hin zur Androhung einer Dienstaufsichtsbeschwerde ohne Kenntnis der Situation und Faktenlage. Autsch! Das ist jetzt nicht gerade The Power of One als Teamgedanke.

Dennoch gilt: Mitarbeitende und Führungskräfte haben unterschiedliche Rollen, Perspektiven und Verantwortlichkeiten und sie müssen dies wechselseitig akzeptieren. Dazu gehören auch mal unterschiedliche Prioritäten, Informationsstand, und Handlungsoptionen. Wenn also die Führungskraft mal Entscheidungen trifft und Dinge tut, die nicht allgemeinen Konsens unter den Mitarbeitenden darstellen – so what, that’s life. Bei der OSZE, wo ich 3 ½ Jahre als stellv. Personaldirektor war, hat der HR Director oder der Secretary General eben auch abweichend von meinem Rat gehandelt, das ist ihr gutes Recht, ja ihr Job. Mein Job war es, den Laden am Laufen zu halten, Analysen, Optionen und begründete Empfehlungen zu unterbreiten. So etwas am Arbeitsplatz also nicht persönlich nehmen!

Sollten sie Chef oder Chefin sein: Teilen Sie Informationen so weit irgend möglich! Und bewerten Sie erst ihre Mitarbeitenden , wenn Sie ihnen zugehört haben und wissen, worüber Sie dann eigentlich urteilen!

FOLGE 7: DER FRANKFURT-TATORT „DER TURM“ AM 23. DEZEMBER 2018, MIT WOLFRAM KOCH UND MARGARITA BROICH

Wieder mal 90 Minuten durch die hessische Hauptstadt insgesamt sowie durch einen bedrohlich aussehenden Turm als locus delicti dilettiert – ohne Hoffnung auf eine Lösung, zumal als Ergebnis einer methodischen Ermittlung. Die Zuschauer würden ja so gerne helfen, da sie als routinierte Tatort-Seher offenkundig besser qualifiziert sind als die orientierungslosen Kommissare Brix und Jannecke. Der Fall bleibt im Turm verborgen, sie kommen nicht an mögliche Tätergruppen unter den eingemieteten Firmen heran. Und warum nicht? Tja, fatale Mischung aus Ideenlosigkeit und Behinderung durch den korrumpierten Staatsanwalt, der nur zum Schein schnelle Resultate fordert. Kommissarin Jannecke wird im Turm zusammengeschlagen (schwere Körperverletzung einer Beamtin!), aber es wird nicht untersucht; Brix erschießt im Turm einen Mann und rettet seiner Kollegin das Leben, aber der Staatsanwalt glaubt ihm nicht einmal. Alles keine Gründe, sich mal polizeilich drum zu kümmern. Quelle horreur!

Die Personalthemen waren auch alle schon mal da: Kommissarin entlässt sich mit Schädel-Hirn-Trauma selbst aus dem Krankenhaus und ermittelt – und weder Kollege Brix noch Staatsanwalt juckt‘s. Rückt das Ermittler-Team ob dieser widrigen Umstände zusammen? Nö, jeder macht seine Alleingänge, als gäbe es dafür einen ‚Soli-Zuschlag‘. Nur der Kriminal-Assistent arbeitet fleißig offene Punkte ab, wird aber von Brix gedisst und demotiviert.

Braucht es jetzt nach etlichen Folgen ein kompetentes Trennungs-Management für die Kommissare? Nein, es sind ja schließlich Landesbeamte. Da bliebe nur die Versetzung zu einer anderen Gliederung der Landesoberbehörden, z.B. dem Polizeiarchiv oder in weniger komplexe hessische Kriminalitätsgebiete, als da wären der Vogelsberg oder der Schwalm-Eder-Kreis.

Und was kann der arme Assi tun? Was können Mitarbeitende tun in punkto Beziehungsmanagement mit der Führungskraft? Was, wenn sich Führungskräfte gar nicht als solche in ihrem Job verstehen, sondern als reine Fachleute oder eben egozentrische, kommunikationsarme Kriminaler – siehe Tatort-Kommissare in Frankfurt, Köln, Berlin, München, u.a.m.? Probieren Sie folgendes:

  • Verlässlichkeit und Selbständigkeit zeigen
  • Analyse, Vorschläge und mögliche Lösungen anbieten statt nur Probleme aufzuzählen
  • Eigene Anliegen und Bedürfnisse gegenüber Führungskraft zeitnah und deutlich an- und aussprechen
  • Erwartungen an Führung, Vorgaben, Informationen, Orientierung und Berechenbarkeit kommunizieren
  • Sachliches Feedback einfordern – aber nicht damit ständig nerven oder Dinge permanent in Frage stellen
  • Sich Vergleichsmöglichkeiten schaffen – wie werden andere Mitarbeitende gemanagt bzw. geführt – manchmal verliert man den Blick dafür, was eigentlich nicht mehr akzeptabel ist

Und als Führungskraft gehen Sie gefälligst darauf ein. In meiner Organisation geben im Zuge der Führungskräfteentwicklung Mitarbeitende ihre Einschätzung über Führungskräfte ab, aber umgekehrt bekommen sie auch gespiegelt, was das Kollektiv der Führungskräfte sich von den Mitarbeitenden wünscht – und dazu gehören z.B. auch oben genannte Punkte.

FOLGE 6: Der München-Tatort „Freies Land“ am 3. Juni 2018, mit Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec

Die Reichsbürger werden jetzt allenthalben fürs Fernsehen entdeckt. Knarzige, verschrobene Typen mit starker innerer Überzeugung und im Tatort auch mit dem Willen zur Tat: der eigenen Staatsgründung mit Währung und allem PiPaPo. Allerdings gehen die Aktivisten handwerklich so ungeschickt und desorientiert vor, als wären sie zuvor von Sergio Ramos schwer gefoult worden.

Historisch ist die Schaffung von so genannten Mikro-Nationen nichts Neues. 1967 proklamierte Paddy Roy Bates, ex-Major der britischen Streitkräfte, das Fürstentum Sealand auf der ehemaligen, künstlich im Meer errichteten militärischen Plattform HM Fort Roughs, 10 km vor der Küste von Suffolk. Auch er ging bis zu seinem Tod 2012 mit Waffengewalt gegen unerwünschte Eindringlinge vor. Sealand wurde nie als Völkerrechtssubjekt anerkannt (und lag zudem in britischen Hoheitsgewässern). Ein ähnliches Schicksal ereilte u.a. den Freistaat Christiania in Kopenhagen, und man könnte auch den Freistaat Bayern nennen, dem es anno 1949 nicht vergönnt war, der neuen und so unbayerischen Bundesrepublik nicht beitreten zu müssen.

Was können wir in der Auseinandersetzung Polizei gegen Freies Land personaltechnisch betrachten und verallgemeinern?

  1. DER MOBILE PROFESSIONAL: Wenn die Kriminalhauptkommissare Leitmayr und Batic ihr geliebtes München schon mal kurzfristig verlassen müssen, sind sie logistisch völlig unvorbereitet. Natürlich mag es dramaturgisch reizvoll sein, Batic beim abendlichen Wäschewaschen zuzuschauen. Aber in realita bietet sich ein light travel kit an – siehe daher untenstehende Packliste.
  2. DER KOMMUNIKATIVE PROFESSIONAL: Danach geraten die beiden in der tiefen Provinz in eine Situation, in der ihre gezückten Dienstausweise niemanden beeindrucken (sondern eher provozieren), nicht mal und schon gar nicht die eigenen Polizeikollegen vor Ort. Was tue ich also in dieser Lage nicht? Richtig: Mit der Tür ins Haus fallen, ungeduldig sein, arrogant sein, prontamente Anweisungen erteilen, sich durchsetzen müssen. Was tue ich stattdessen? Erstmal sich vorstellen, Fragen stellen, zuhören, active listening skills anwenden, die lokalen Umstände verstehen, Perspektivenwechsel probieren, ein Lagebild schaffen, ungeschriebene Regeln erkennen. Das gilt an jedem anderen Arbeitsplatz auch, sogar und gerade für Führungskräfte! Summa summarum: Kommissare und Manager aus HQs und Zentralen, hört auf eure eigenen Leute in den Außenstellen, Dependancen, Filialen und Projekten! Nehmt sie ernst und achtet sie nicht gering. Ihr braucht euch einander. THE POWER OF ONE!

P.S. Auch nicht anerkannt wurde die Republik Kugelmugel des Künstlers Edwin Lipburger im Wiener Prater (im Würstelprater neben der Villa Victoria, wo man nett einen Kaffee trinken kann): Ein Kugelhaus, unbewohnt, ohne Strom- und Wasseranschluss und hinter Stacheldrahtzaun. Aber gedacht als eigener Staat, da es ein „positiv konstant gekrümmter, zweidimensionaler Raum und daher kein Begriff im Sinne der Niederösterreichischen Bauordnung“ sei. Angeblich leben über die ganze Welt verteilt mehrere hundert Personen, die sich per Dokument als Staatsbürger von Kugelmugel bezeichnen.

Gratis-Tipp der Woche: Packliste für 1-3 Tage spontane Dienstreise (passt in jede kleinere Sporttasche)

  • Wechselkleidung (Ober-/Unterkleidung, leichte Ersatzschuhe falls Einsatz in Nässe)
  • Leichter Schal, wiegt nichts, ist aber multifunktional
  • Ersatz-Kulturbeutel mit Zahnbürste, Duschgel (gleichzeitig Waschmittel), Lotion, kleine Schere etc.
  • Kleines Handtuch
  • Taschentücher, feuchte Tücher
  • Schlafmaske und Ohrstöpsel
  • Taschenbuch als Einschlaflektüre
  • Packung Nüsse, getrocknete Aprikosen, Schokoriegel (falls der Wurst-Automat ausfällt) (allerdings auf Verfallsdatum achten)
  • Ersatz-Kugelschreiber
  • Ladekabel und Plug-in Kopfhörer für Hörbuch oder Musik
  • Fläschchen Minzöl (einige Tropfen auf Schläfen und Nacken wirken Wunder)
  • Schnuffeltuch für einsame Orte
  • Ersatzpatronen für die Dienstwaffe (optional)